Pariser Impressionen
»Im Umgang mit Menschen lernt man nie aus; besonders nicht in Paris.«
Luise Straus-Ernst, Kleiner Bummel mit meinem Briefträger
Über das Buch
Texte aus dem Exil
Paris 1933 bis 1944: Zahlreiche, überwiegend jüdische Emigranten aus dem Deutschen Reich suchten Zuflucht in der französischen Hauptstadt, später auch im Süden des Landes. Unter ihnen die 1893 in Köln geborene Jüdin Luise Straus-Ernst, eine der ersten promovierten Kunsthistorikerinnen ihrer Generation.
Als Journalistin und Autorin förderte sie die Kölner Dada-Bewegung, die von ihrem damaligen Mann, dem Maler Max Ernst, mitbegründet wurde. Während ihres Exils in Frankreich schrieb sie für renommierte Zeitungen und befand sich damit in prominenter literarischer Gesellschaft, wie in der von Irmgard Keun, Joseph Roth oder Klaus Mann. Doch ihr feuilletonistisches und literarisches Schaffen geriet nach ihrer Ermordung in Auschwitz im Jahr 1944 schnell in Vergessenheit.
Die Schriftstellerin und renommierte Biografin Eva Weissweiler hat in diesem Buch eine Auswahl an Texten zusammengestellt, die Luise Straus-Ernst selbst als »pointierte kurze Geschichten« bezeichnet hat. Es sind subtile Momentaufnahmen, Vignetten und Impressionen, die zum größten Teil im Paris der dreißiger Jahre angesiedelt sind und ein ganz eigenes literarisches Genre bilden. Sie beschreiben detailliert und poetisch verschiedene Szenerien und Charaktere.
Luise Straus-Ernst erweist sich als feine, empathische Beobachterin. Sie führt uns in die Welt der naiven Kunst, die man unter anderem auf dem großen Pariser Flohmarkt Marché aux puces erwerben konnte; zu den Pariser Jahrmärkten, wo eine …
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… ähnliche Ausgelassenheit herrschte wie beim Kölner Karneval, den Luise Straus-Ernst sehr liebte. Mit ihrem Briefträger bummelt sie durch die Markt- und Einkaufsstraße Rue Mouffetard, eine der ältesten Straßen von Paris. Bei einem Pinard an der Bar plaudern sie nicht etwa über das »Wetter«, »Politik« oder »Sport«, »sondern mit der größten Selbstverständlichkeit über Gotik, Antike und prähistorische Kunstdenkmäler in Frankreich«. In einem fiktiven Monolog versetzt sie sich in den jüdischen Komiker, Operettenund Schlagersänger Siegfried Arno (1895–1975), der 1933 aus dem nationalsozialistischen Deutschen Reich emigriert war. Sie setzt sich mit verschiedenen Themen auseinander – mit dem Thema Mode, aber auch mit Themen wie Erinnerung und Heimweh, und mit der Tatsache, dass Paris, die Stadt der Liebe und des Exils, in den 1930er Jahren auch die Stadt der Selbstmorde war.
Ihre eigene Biografie fließt immer wieder in die Texte mit ein: die Trennung von ihrem Sohn Jimmy, ihre Liebhaber, das Kriegsgeschehen. In dem Text Außerhalb der Zeit beschreibt sie eindrücklich, wie es ihr zwischen dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bis zu ihrer Internierung als »feindliche Ausländerin« im Lager Gurs erging.
Luise Straus-Ernst
Pariser Impressionen | Texte aus dem Exil
Herausgegeben von Eva Weissweiler
Editionen
Erscheinungstermin: Dezember 2025
Gebunden mit Halbleinen
192 Seiten
15 x 22 cm, Lesebändchen
€ 28,00 (D)
ISBN 978-3-9827669-0-4
Über die Autorin
Luise Straus-Ernst
Am 2. Dezember 1893 wurde die deutsche Kunsthistorikerin, Journalistin und Autorin Luise Straus-Ernst als Tochter des jüdischen Hutfabrikanten Jacob Straus und dessen Frau Charlotte in Köln geboren. Nach ihrem Abitur studierte sie ab 1912 Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie in Bonn, wo sie ihren Kommilitonen Max Ernst kennenlernte. 1917 erwarb sie den Doktor der Philosophie im Fachbereich Kunstgeschichte an der Universität Bonn und war damit eine der ersten promovierten Kunsthistorikerinnen ihrer Generation.
Eine erste Anstellung hatte sie ab 1918 als wissenschaftliche Hilfsarbeiterin am Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Es folgten erste kunsthistorische Artikel in Fachzeitschriften.
Am 7. Oktober heiratete sie den Künstler und späteren Mitbegründer der Kölner Dada-Gruppe Max Ernst. Am 24. Juni 1920 wurde ihr Sohn Hans-Ulrich, später nur ›Jimmy‹ genannt, geboren. Nach einer schweren Ehekrise trennten sich Luise und Max Ernst im Jahr 1922, drei Jahre später erfolgte die Scheidung.
Nachdem sie während der Inflation in größere Not geraten war, arbeitete sie ab 1927 sehr erfolgreich als Autorin für den Rundfunk und für verschiedene überregionale Zeitungen. Nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 beschloss sie Deutschland zu verlassen und emigrierte nach Paris, wo sie in wechselnden Hotels lebte und für deutschsprachige Exilzeitungen schrieb.
Ihr Sohn Jimmy emigrierte am 3. Juni 1938 nach Amerika, Luise siedelte nach Cannes über. Am 1. Juni 1940 wurde sie zusammen mit tausenden anderen deutschen Frauen im Frauenlager von Gurs nördlich der Pyrenäen interniert. Jimmy Ernst versuchte seine Eltern zu retten, indem er ein Visum für das ›Ehepaar Ernst‹ beantragte. Doch der Plan scheiterte am Widerspruch der Präsidentengattin Eleanor Roosevelt, die erfahren hatte, dass die beiden geschieden waren. Daraufhin konnte nur Max Ernst in die USA ausreisen. Ein zweites Visum, das in Nizza für sie bereitgestellt worden war, nahm Luise Straus-Ernst aus ungeklärten Gründen nicht entgegen. Am 28. April 1944 wurde sie durch die Gestapo verhaftet und über Marseille und Drancy nach Auschwitz deportiert, wo sie am 4. Juli ankommt und nur wenige Tage später unter ungeklärten Umständen starb.
Über die Herausgeberin
Eva Weissweiler
Die promovierte Musik-, Literatur- und Islamwissenschaftlerin Eva Weissweiler widmet sich in ihrem literarischen und wissenschaftlichen Werk vor allem den Biografien von Frauen und der Erforschung deutsch-jüdischer Lebenswege: darunter Eleanor Marx, die jüngste Tochter von Karl Marx, Dora Sophie Kellner, die geschiedene Frau Walter Benjamins, und Lisa Fittko, die vor allem als Fluchthelferin bekannt wurde. Ihr erstes Buch Komponistinnen aus 500 Jahren erschien 1980 und gilt als Pionierwerk in der Frauenmusikforschung. 2016 erschien die von ihr verfasste Biografie Notre Dame bis Dada über Luise Straus-Ernst, in der sie aufzeigt, dass die Tochter einer jüdischen Fabrikantenfamilie weit mehr war als die erste Frau des Malers Max Ernst und Muse der Dadaisten und Surrealisten, als die sie in der Öffentlichkeit meist dargestellt wird.
Eva Weissweiler ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und des Verbandes deutscher Schriftsteller in ver.di. Von der Luise-Büchner-Gesellschaft in Darmstadt erhielt sie 2023 den Luise-Büchner-Preis für Publizistik. Seit 2024 ist sie zudem Trägerin des Giesbert-Lewin-Preises der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
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