Der alte Garten

» Man kann dieses nachgelassene Märchen wie einen Zauberroman lesen, wie eine geräumige Natur-Hymne, wie ein episches Gedicht. Von allem steckt etwas in ihm. «

Karl Krolow (1915–1999), Schriftsteller

Zeichnung: Der alte Garten mit einem Vogel der Rosen umarmt

Über das Buch

Ein Naturmärchen

Die Erde wird euch kühl umfangen,
Das Wasser strömend euch geleiten,
Zur Sonne werdet ihr gelangen
Und auf des Sturmes Flügeln reiten …

Von 1932 bis 1937 lebte die Lyrikerin und Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz in Königsberg im nördlichen Teil Ostpreußens. Auch wenn sie zeitlebens den Süden liebte, so löste die Weite des Nordens und die dortige herbe Schönheit der Natur etwas in ihr aus, inspirierte sie auf besondere Weise: »Ostpreußen, die kargste Gegend, und wie dort die Natur die allerwichtigste Wirkung auf mich ausgeübt hat. Nicht im Sinne einer Schwärmerei übrigens, sondern in dem des Feststellenmüssens. Auf einmal will ich die Gestalt und die Lebensäußerungen aller Pflanzen und Tiere genau kennenlernen, auch die Triebkräfte der Jahreszeiten, die Zusammensetzung des Wassers, des Schnees und der Wolken, auch die Flugformation der Zugvögel über dem Moor. Auf den sonntäglichen Fahrten und Fußwanderungen sammelte ich meine Informationen, […] In der Vorfrühlingslandschaft, der Flußniederung mit ihren Eis- und Schlammströmen erlebe ich die Urzeit der Erdgeschichte, bei den Geburten im Stall das blutige Heraufdrängen des neuen Lebens …«, schrieb sie in ihrem Buch Orte.

Am 8. Juni 1936 notierte sie in ihrem Tagebuch: »Bei einem Gespräch mit Prof. Heise über den Wissensdrang von Kindern kam mir der Gedanke, ein Buch für Kinder zu Geschichten von den Lebensäußerungen einzelner, allen Kindern zugänglicher Pflanzen. Nach eingehendem Studium alles ganz einfach geschildert, ohne Fabulieren und nicht eigentlich poetisch, nur so, dass das Wunderbare an sich wirkt, und für sich. Bilder müssten dabei sein, möglichst einfache Zeichnungen oder Aquarelle.«

Mehr zum Buch

Es ist die erste Erwähnung des entstehenden Buchs Der alte Garten, an dem sie bis März 1939 gearbeitet hat. Das ursprünglich geplante Naturkundebuch für Kinder hatte sich in diesen drei Jahren zu einem modernen, nun doch poetischen Naturmärchen entwickelt.

Aber es findet sich kein Verlag, der es so kurz vor dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichen möchte. Ende Juli schrieb Marie Luise Kaschnitz in ihr Tagebuch: »In Bollschweil bekam ich die Nachricht, daß der Rütten u. Loening Verlag das Kinderbuch nicht nehmen wollte, ›weil es dem Geschmack des Kindes zu wenig entgegenkomme‹, und eine 2. Ablehnung von dem Stuffer-Verlag, ›weil es in jeder Beziehung ungewöhnlich sei‹. Ich war sehr enttäuscht und herabgestimmt. Ich hatte immer mit aller Zuversicht geglaubt, gerade dieses Buch werde den Menschen gefallen, und ein gutes Gefühl über seinen Wert gehabt. Auch daß es nun für dieses Jahr zu spät ist, schmerzte mich sehr. Man entfernt sich so schnell von dem Niedergeschriebenen und hat darum nicht mehr die Kraft, es anzupreisen und dafür zu werben.«

Fast vierzig Jahre sollte es dauern, bis das Manuskript doch seinen Weg in die Öffentlichkeit fand. Nur wenige Jahre vor ihrem Tod übergab es Marie Luise Kaschnitz der Verlegerin Hilde Claasen, die das Märchen 1975 auf deren ausdrücklichen Wunsch hin posthum unter dem Titel Der alte Garten im Claasen Verlag erstmals veröffentlichte.

Buchcover: Der alte Garten von Marie Luise Kaschnitz. Ein Märchen mit Zeichnungen von Jaleh Perego

Marie Luise Kaschnitz
Der alte Garten

Ein Märchen mit Zeichnungen von Jaleh Perego

Reihe: Literatur & Kunst

Erscheinungstermin: 9. Juli 2026

Gebunden mit Schutzumschlag, 
336 Seiten | 20 Zeichnungen
16,5 x 23,5 cm | Lesebändchen

€ 35,00 (D)

ISBN 978-3-9827669-2-8

Über die Autorin

Marie Luise Kaschnitz

Autorin Marie Luise Kaschnitz im schwarz-weiß Portrait

Foto: ©MLK-Erbengemeinschaft München

eigentlich Marie Luise Freifrau Kaschnitz von Weinberg; geborene Freiin von Holzing-Berstett wurde am 31. Januar 1901 als dritte Tochter des damals noch badischen Rittmeisters und späteren preußischen Generals Max Freiherr von Holzing-Berstett (1867–1936) und seiner Frau Elsa Freiin von Seldeneck (1875–1941) in Karlsruhe geboren und wuchs in Potsdam und Berlin auf. Ihre Eltern verkehrten im Dunstkreis von Kaiser Wilhelm II. und erwarteten von ihren Kindern, dass sie mit der Tochter des Kaisers spielten, was Marie Luise

zuwider war. Sie liebte die Welt der einfachen Menschen, war gern in der Küche oder mit den Dienstboten zusammen. Oder draußen in der Natur: »Aus meiner frühen Kindheit erinnere ich mich viel mehr an das Draußen als an das, was sich in den Zimmern abspielte«, schrieb sie. Die Natur übte auf sie immer den größten Eindruck. Deren intensive Wahrnehmung floß immer wieder in ihr literarisches Werk ein.

Während des Ersten Weltkriegs zog die Familie auf das Gut Bollschweil im Südschwarzwald. Ab 1918 besuchte Marie Luise Kaschnitz das Viktoriapensionat in Karlsruhe, um ihre Schulausbildung abzuschließen. In dieser Zeit entstand ihre erste literarische Skizze mit dem Titel Der Geiger, die auch veröffentlicht wurde. Nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin arbeitete sie beim O. C.Recht Verlag in München und in einem Antiquariat in Rom. 1925 heiratete sie den Archäologen Guido Kaschnitz von Weinberg und begleitete ihn während ihrer Ehe auf fast allen seinen Forschungsreisen entlang des Mittelmeers. Die ersten sechs Ehejahre lebte das Paar in Rom, wo Guido von Kaschnitz als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Deutschen Archäologischen Institut aufgenommen worden war. Dann folgte er einem Ruf nach Königsberg, 1937 einem Ruf an die Universität nach Marburg. 1941 erhielt er einen Lehrstuhl für Archäologie an der Johann Wolfang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, wo Marie Luise Kaschnitz bis an ihr Lebensende lebte. Als ihre eigentliche Heimat, als »Herzkammer der Heimat«, bezeichnete sie das Familiengut in dem Dorf Bollschweil.

Ab 1928 begann sie zu schreiben – Gedichte, Romane, Erzählungen, Essays, ab den 1950er Jahren auch Hörspiele. Während eines Aufenthalts in Südfrankreich entstanden die ersten Erzählungen. Zuerst für eine Anthologie des Verlags Bruno Cassirer, dann erschienen in der FAZ ihre ersten Gedichte und Betrachtungen über ihr italienisches Leben. Der erste Roman Liebe beginnt wurde 1933 veröffentlicht. Mit dem 1956 erschienenen Buch Das Haus der Kindheit gelang ihr der literarische Durchbruch. Sie war Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Vielfach ausgezeichnet gehört Marie Luise Kaschnitz zu den wichtigsten literarischen Stimmen der deutschen Nachkriegszeit. Am 10. Oktober 1974 verstarb sie in Rom.

Über die Künstlerin

Jaleh Perego

Künstlerin Jaleh Perego mit Violine

Foto © Katja Sievers

wurde1983 im französischen Rennes geboren und ist in Wien aufgewachsen Ihren ersten Geigenunterricht erhielt sie im Alter von fünf Jahren und sammelte von Kindesbeinen an reichlich Bühnenerfahrung. Abraham Quivoij, Nikolai Tzygankov, Robert Papavrami, Miguel Candela, Igor Volochine und Yehudi Menuhin zählen zu den Pädagogen, die ihre frühe musikalische Entwicklung nachhaltig prägten.

Im Jahr 2001 wurde sie in die Klasse des 1. Konzertmeisters der Wiener Symphoniker, Prof. Florian Zwiauer (*1954), am ehemaligen Konservatorium Wien, heute Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, aufgenommen. Nach zwei Jahren wechselte sie zu Prof. Michael Frischenschlagers (*1935) Violinklasse an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Parallel besuchte sie die Kompositionsklasse von Prof. Ivàn Eröd (1939–2019) und bestand im Jahre 2004 die Diplomprüfung mit Auszeichnung. Daraufhin zog sie nach Deutschland, um ihre geigerische Ausbildung bei Prof. Nachum Erlich (1959–2023) an der Hochschule für Musik Karlsruhe fortzusetzen. Dort schloss sie im Jahr 2024 das Solistenexamen mit summa cum laude ab.

Ihre Debüt-CD Reminiscence, die sie 2024 mit der Pianistin Sara Pavlovic einspielte, wurde 2025 für den deutschen Klassikpreis Opus Klassik nominiert.

Jaleh Perego lebt in Karlsruhe und kann auf eine zehnjährige Lehrerfahrung zurückblicken. Sie wirkt gegenwärtig als Konzertgeigerin und engagiert sich als erfindungsfreudige Konzertgestalterin.

Aufgewachsen in einer kunstaffinen Familie hat Jaleh Perego das Zeichnen von ihrem Vater erlernt. Von Kindesbeinen an ist sie vertraut mit romantischer Literatur und klassisch illustrierten Büchern.

www.jalehperego.de | @jaleh_perego

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